„Die Stadt der Blinden” - so ist ein futuristisch-utopischer Roman des pessimistischen Atheisten José Saramago betitelt. Das schier Unmögliche geschieht: Nach und nach werden unzählige Menschen in einer Stadt blind, von “grellendem Weiß” werden sie angesteckt und werden aus Sicherheitsgründen deshalb alle in eine Kaserne evakuiert. Doch dort ereignet sich “Sodom und Gomorra”: Vergewaltigung, Raub, sogar Mord. Nach und nach verschwindet die Blindheit zwar wieder, aber es bleibt ein großer moralischer Zeigefinger, der uns auf die Zivilisationskrankheit innerer und äußerer “Zweckblindheit” verweist. Wir sind blind geworden für das Wesentliche. Wir heimsen in den Vorstandsetagen Geld ein und entlassen dafür Tausende Menschen, wir schaffen Kapital nach Liechtenstein, das wir dem Staat vorenthalten; sind blind für die Gewalttaten, die in Kleinfamilien geschehen, wenn ein Vater seinen Sohn beim PC-Spiel blindlings mit der Schrotflinte ins Gesicht schießt, Menschen in U-Bahnen brutal niedergeschlagen werden. Die Gesellschaft scheint blind zu sein für die Gewaltpotentiale, die ins uns schlummern. Was ist los? Was hat uns so blind gemacht, dass wir wie tollwütige Wölfe unser Leben zerstören - auf vielfache Weise?
Unsere eigenen blinden Flecken zu erkennen - darum gehts im Evangelium! Aber nicht so sehr aus der Perspektive eines Kulturpessimisten wie Saramago. Sondern aus christlicher Perspektive: Gott sieht in das Herz, er nimmt uns wahr, wie wir sind. Und er sieht, wie gebrochen wir sind. Wir verschließen die Augen, sind betriebsblind für das eigene Leben geworden. Es ist Zeit für eine Neuschöpfung unserer blinden Flecken! Es ist Zeit für wirkliche Umkehr! Vom Dunkel ins Licht, das muss der Weg sein! Die Werke der Finsternis bringen keine Frucht. Heimliches ist unheimlich, wenn es im Schatten des Lichtes geschieht. Es sind die blinden Flecken eines jeden. Umkehr! Umkehr! Was wird erst sein, wenn uns die Augen aufgehen?
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