Archive für 5.10.2007

Technik kann nicht alles…

webcam.jpgSeit ein Freund von mir, Markus, in Kanada ist, telefonieren wir öfter miteinander. Über das Internet funktioniert das ganze ziemlich gut, kostet nix und hat den Vorteil, dass ich den anderen auch sehen kann, per Webcam. Er ist in meinem Bekannten- und Freundeskreis nicht der einzige im Ausland. Nach Italien, Spanien, Österreich und Frankreich – überall dort, wo Freunde von mir studieren, wohnen, arbeiten, gibt’s Kontakte. Die Welt ist klein geworden. Und richtig schön ist es, wenn gleich eine ganze Familie vor der Internetkamera sitzt und alle kräftig winken.

Mit meinem Handy kann ich jetzt dauer-telefonieren, „flatrate“ nennt sich das und verführt dazu, nicht nur länger, sondern auch öfter mit Leuten zu reden. Was ich ja auch gern mache. Dazu kommt der normale Emailverkehr und irgendwie spüre ich, dass ich das Briefeschreiben verlernt habe. Schade eigentlich. Aber noch was spüre ich: Ich rede viel öfter über belanglose Dinge. Hallo, na wie geht’s? Ja, ganz gut. Und du? Was machst du? Irgendwie werden es so „Trallala-Gespräche“. Dann denke ich zurück an die Momente, wo ich ganz bewusst abends jemanden nach vielen Wochen angerufen habe und man sich auch etwas zu erzählen hatte. Schleichend geht dabei etwas anderes flöten: Das ganz persönliche Gegenüber. Das Gesicht des Anderen, seine Gestik und Mimik, seine Gefühle, die ich wahrnehmen kann und seine Geschichten, die er vielleicht noch mal ganz anders erzählt, wenn wir uns gegenübersitzen oder gemeinsam am Tisch bei einer Mahlzeit plaudern.
Ich mag die Technik, aber ich möchte mich nicht von ihr abhängig machen. Sie soll Arbeitsprozesse erleichtern, aber sie darf mich nicht lenken und steuern, so dass ich am Schluss meine Beziehungen nur vor dem PC daheim mit Webcam und Headset pflege. Technik kann viel, aber ist eben nicht alles.

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