Oh, Bruder Leib!

franziskus.jpgDer 4. Oktober ist der Gedenktag einer meiner Lieblingspersönlichkeiten. Franziskus von Assisi. Seit meiner Jugend begleitet dieser umbrische Heilige meinen geistlichen Weg.

Und obwohl Franziskus, der im 13. Jahrhundert gelebt hat, ein durchweg frommer Mann war und für die Kirche eine große Bereicherung, so hat er doch manche Dinge in seinem Leben nicht auf die Reihe gekriegt. Ich meine damit nicht seine Jugend, das Verpulvern von Geld und die nächtelangen Feste. Nein, ich meine seinen Umgang mit seinem Körper, mit seinem „Bruder Esel“, wie er ihn nannte. Gar nicht gut ging er mit ihm um. Es war ja nicht so, dass er nicht hätte für sich sorgen können. Franziskus verweigerte bewusst die Nahrungsaufnahme und übertrieb das Fasten, marschierte ohne Schuhe durch die Landschaft bei Wind und Wetter, verschleppte Krankheiten und nahm die Signale des Körpers nicht wahr. Das hat ihm einen recht frühen Tod und zuvor viele Schmerzen eingebracht.

Und dennoch oder gerade deswegen ist er für mich auch ein menschliches Mahnmal und Vorbild zugleich. Nicht nur wegen seiner Frömmigkeit – da ist er mir Vorbild -, sondern auch in der Art und Weise, wie ich nicht mit meinem Bruder Leib umgehen möchte. Da ist er Mahnmal. „Unser Körper ist unser ganzes Kapital“ hat einmal einer meiner Professoren gesagt. Wir haben nur uns, unseren Leib, Haut und Knochen, Muskeln und Nerven, die Organe und alles, was zu uns gehört. Und das ist etwas Kostbares!

Manchmal wünschte ich mir, dass Franziskus die Worte des Apostels Paulus gehört und ernst genommen hätte: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,19f). Es geht hier nicht um den verliebten Blick ins Spiegelbild. Es geht um einen liebenvollen Umgang mit uns selbst.

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