Da fordert doch tatsächlich eine Gruppe christlicher Fundamentalisten in Amerika, dass man in den Schulen die „Evolutionslehre“ streichen solle. Auch die Urknalltheorie sei Quatsch. Die ganze Bewegung nennt sich Kreationisten oder auch Neokreationisten. „Creatio“ heißt Schöpfung und die sei exakt so verlaufen, wie es in der Bibel, im Buch Genesis steht.
Ehrlich gesagt: Ich habe dafür kein Verständnis. Denn die Bibel ist doch keine Sammlung naturwissenschaftlicher Erkenntnistheorien. Es geht ihr auch nicht um irgendeine Beweisführung. Die beiden Schöpfungsberichte sind Mythen. Der eine Mythos erzählt von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen. Der andere erzählt von Adam und Eva und der Verantwortung, die Gott ihnen gab: Seid fruchtbar und haushaltet mit der Erde! Natürlich wissen wir, dass die Welt nicht in sieben Tagen entstanden ist. Das Wort „jom“ für Tag kann nämlich auch Epoche oder modern „Zeitphase“ bedeuten. Nein, diese biblischen Texte erinnern uns vielmehr an ein Beziehungssystem, das wir manchmal aus dem Blick verlieren. Nämlich, dass wir Menschen nicht allein auf diesem Planeten leben und ihn nicht ausbeuten sollen und dürfen. Das müsste unseren Blick für die gegenwärtige Klimasituation schärfen! Diese Texte erinnern uns auch an die Möglichkeit, dass über allem ein Wesen steht, das wir Christen Gott nennen. Das bedeutet, dass der Mensch sich nicht allein fühlen, zugleich aber sich auch verantworten muss für das, was er tut. Die biblischen Texte sagen auch was zum Verhältnis von uns Menschen untereinander. Von der Würde, die wir haben und die wir achten sollen. Sie sagen etwas über Mann und Frau. Wir sind keine Götter, aber Gottes „Ebenbild“. Das in das Heute hinein zu übersetzen, scheint mir als Zugang zur Bibel sinnvoller zu sein.
Sie müssen als angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.