Archive für Oktober 2007

Männer sterben immer gleich

Erkältung - oder wie der Saarländer sagt: die “Freck”. Sie streckt uns Männer nieder. Fesselt uns an Bett. Wir jammern und wehklagen. Männer sterben immer gleich. Exils-Erfahrung… Da muss der Laptop ans Bett. Wenn schon der Mann nicht zum Laptop kann. Wir hofften auf Heilung, doch ach, nur Medikamente. Aber dann - wo wir gerade im Begriff sind, zur Ruhe zu kommen… Da klingelt es an der Tür. Handwerker. Sie wollen die Heizung reparieren. Stimmt, ein Warmwasserbad war ja nicht möglich. Vier Stunden lang wird auf Rohre geklopft und werden Ventile gereinigt, Lehrbuben rennen die Treppen rauf und runter, dazwischen drehen sie Wasserhähne auf und zu - nichts. Doch dann, irgendwann die Erlösung. Das Heil naht. Der Meister klopft wie einst Mose auf die richtige Stelle und aus dem Hahn fließt warmes Wasser. Ein Hahn, aus dem warmes und kaltes Wasser fließen. Das gelobte Land. - Die Erkältung, ach, die ist fast vergessen. Wir haben ja mitgefiebert. Mit der Technik. Oder so. Ein Tag im Krankenlager.
O, Dank dem Himmel. Wir leben noch. Wieder ein Tag, an dem wir nicht gestorben sind. Männer sterben immer gleich. Immer. Oder meistens, wenn sie erkältet sind.

Mittwoch, 31. Oktober A.D. 2007

Technik kann nicht alles…

webcam.jpgSeit ein Freund von mir, Markus, in Kanada ist, telefonieren wir öfter miteinander. Über das Internet funktioniert das ganze ziemlich gut, kostet nix und hat den Vorteil, dass ich den anderen auch sehen kann, per Webcam. Er ist in meinem Bekannten- und Freundeskreis nicht der einzige im Ausland. Nach Italien, Spanien, Österreich und Frankreich – überall dort, wo Freunde von mir studieren, wohnen, arbeiten, gibt’s Kontakte. Die Welt ist klein geworden. Und richtig schön ist es, wenn gleich eine ganze Familie vor der Internetkamera sitzt und alle kräftig winken.

Mit meinem Handy kann ich jetzt dauer-telefonieren, „flatrate“ nennt sich das und verführt dazu, nicht nur länger, sondern auch öfter mit Leuten zu reden. Was ich ja auch gern mache. Dazu kommt der normale Emailverkehr und irgendwie spüre ich, dass ich das Briefeschreiben verlernt habe. Schade eigentlich. Aber noch was spüre ich: Ich rede viel öfter über belanglose Dinge. Hallo, na wie geht’s? Ja, ganz gut. Und du? Was machst du? Irgendwie werden es so „Trallala-Gespräche“. Dann denke ich zurück an die Momente, wo ich ganz bewusst abends jemanden nach vielen Wochen angerufen habe und man sich auch etwas zu erzählen hatte. Schleichend geht dabei etwas anderes flöten: Das ganz persönliche Gegenüber. Das Gesicht des Anderen, seine Gestik und Mimik, seine Gefühle, die ich wahrnehmen kann und seine Geschichten, die er vielleicht noch mal ganz anders erzählt, wenn wir uns gegenübersitzen oder gemeinsam am Tisch bei einer Mahlzeit plaudern.
Ich mag die Technik, aber ich möchte mich nicht von ihr abhängig machen. Sie soll Arbeitsprozesse erleichtern, aber sie darf mich nicht lenken und steuern, so dass ich am Schluss meine Beziehungen nur vor dem PC daheim mit Webcam und Headset pflege. Technik kann viel, aber ist eben nicht alles.

Oh, Bruder Leib!

franziskus.jpgDer 4. Oktober ist der Gedenktag einer meiner Lieblingspersönlichkeiten. Franziskus von Assisi. Seit meiner Jugend begleitet dieser umbrische Heilige meinen geistlichen Weg.

Und obwohl Franziskus, der im 13. Jahrhundert gelebt hat, ein durchweg frommer Mann war und für die Kirche eine große Bereicherung, so hat er doch manche Dinge in seinem Leben nicht auf die Reihe gekriegt. Ich meine damit nicht seine Jugend, das Verpulvern von Geld und die nächtelangen Feste. Nein, ich meine seinen Umgang mit seinem Körper, mit seinem „Bruder Esel“, wie er ihn nannte. Gar nicht gut ging er mit ihm um. Es war ja nicht so, dass er nicht hätte für sich sorgen können. Franziskus verweigerte bewusst die Nahrungsaufnahme und übertrieb das Fasten, marschierte ohne Schuhe durch die Landschaft bei Wind und Wetter, verschleppte Krankheiten und nahm die Signale des Körpers nicht wahr. Das hat ihm einen recht frühen Tod und zuvor viele Schmerzen eingebracht.

Und dennoch oder gerade deswegen ist er für mich auch ein menschliches Mahnmal und Vorbild zugleich. Nicht nur wegen seiner Frömmigkeit – da ist er mir Vorbild -, sondern auch in der Art und Weise, wie ich nicht mit meinem Bruder Leib umgehen möchte. Da ist er Mahnmal. „Unser Körper ist unser ganzes Kapital“ hat einmal einer meiner Professoren gesagt. Wir haben nur uns, unseren Leib, Haut und Knochen, Muskeln und Nerven, die Organe und alles, was zu uns gehört. Und das ist etwas Kostbares!

Manchmal wünschte ich mir, dass Franziskus die Worte des Apostels Paulus gehört und ernst genommen hätte: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,19f). Es geht hier nicht um den verliebten Blick ins Spiegelbild. Es geht um einen liebenvollen Umgang mit uns selbst.

Dass alle eins sind!

deutschesvolk.jpgMan kann es ja fast nicht glauben. 17 Jahre ist es her, dass wir die Deutsche Einheit als Mauerdurchbruch, als „Fall des Eisernen Vorhangs“ erleben konnten. Für die meisten Kinder in den Schulen ist es schon ein „historisches“ Datum, das sie genauso lernen die wie französische Revolution. Für mich ein Ereignis, von dem ich sagen kann: Ich war dabei – zumindest vor dem Fernsehgerät. Und: ich habe noch einen Stein von der Berliner Mauer. Ein Relikt, ein Erinnerungsstück, ein Stück Unfreiheit auf der einen Seite, ein Stück unblutig erkämpftes Freiheitsgefühl auf der anderen Seite.

Heute wird der Hauptfestakt im Osten unserer Republik begangen, in Schwerin. „Unsere Deutsche Einheit ist eine Einheit der Vielfalt“, meinte noch vergangenes Jahr der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Carstensen. In der Tat: Vielfältig sind die Meinungen zur Einheit, wenig einheitlich. Denn die Umfragen zur Stimmung im Land sind nicht euphorisch. Immer noch fühlen sich die meisten Ostdeutschen – 74% - als Bürger zweiter Klasse.

Was ist mit der Einheit, die aus der Vielfalt besteht? Im Johannesevangelium wünscht sich Jesus ebenfalls, dass seine Jünger – auch die waren ja recht verschiedene Typen -, dass alle Menschen „eins“ sein sollen. Aber er knüpft es an eine Bedingung: sie müssen auch eine gemeinsame Mitte haben: Wenn ihr in mir bleibt… - so sagt er. Für den religiösen Menschen findet sich diese Mitte also in Gott. Er ist Dreh- und Angelpunkt. Aber wie ist das in der Politik, der Gesellschaft? Ist der Euro unsere Mitte oder die Bundesregierung? Die deutsche Fahne oder die Nationalhymne? Unsere Geschichte etwa? Nein, werden viele sagen, die schon mal gar nicht. Ein Made-in-Germany, ein Wir-Gefühl, worin besteht das? Vielleicht in der Sehnsucht, die wir gemeinsam tragen. Dass wir in Freiheit und Frieden leben können. Dass wir tolerant und respektvoll miteinander umgehen. Oder: Was denken Sie?

Jeder Mensch braucht einen Engel

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„Ich war wohl zu schnell für meinen Schutzengel“ sagte dieser Tage der Augsburger Bischof Walter Mixa, der mit seinem Rennrad stürzte und sich den rechten Arm brach. Da kommt so ein alter Spruch gerade recht: Man soll eben nicht schneller fahren, als der eigene Schutzengel fliegen kann…
Jeder Mensch braucht einen Engel, aber nicht die barocken Puttenengelchen im Schaufenster oder in weißen Gewändern mit blondem Haar, sondern die wirklichen „anggeloi“, die Botschafter Gottes. Sie verzichten auf großartiges Auftreten mit Pauken und Trompeten, sie werden nicht vom Himmel nach unten gebeamt, sie sind einfach da. Sie haben auch einen Engel. Hundert Prozent!

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Heute denkt die katholische Kirche in ihren Gottesdiensten besonders an die heiligen „Schutzengel“. Eine Engel-Lehre gibt es nicht, selbst wenn hier und da konservative bayrische Kreise immer wieder ganze Systeme von Engeln entwerfen. Das hat der jetzige Papst schon vor Jahren noch als Kardinal in der Glaubenskongregation eindeutig untersagt, denn: darüber gibt es keine biblischen Erkenntnisse.
Und den klassischen Schutzengel gibt es auch erst seit dem 16. Jahrhundert. Immer, wenn durch Gott etwas weiter in die Ferne gerückt ist, haben sich Menschen nach himmlischen Wesen an ihrer Seite gesehnt. Manchmal waren das die großen Heiligen, manchmal Maria, und sehr oft und auch heute wieder Engel. Und so ein Engel drückt die Sorge Gottes um uns aus! Ich denke, dass gerade in einer technisierten und aufgeklärten Welt ein Engel auch an das Unsichtbare erinnert, an Gott. Schließlich ist ein Engel ein Botschafter Gottes. Ich bin da. Sagt Gott. Und mein Engel soll dich darin erinnern.

Gottes Schöpfung und der Urknall

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Da fordert doch tatsächlich eine Gruppe christlicher Fundamentalisten in Amerika, dass man in den Schulen die „Evolutionslehre“ streichen solle. Auch die Urknalltheorie sei Quatsch. Die ganze Bewegung nennt sich Kreationisten oder auch Neokreationisten. „Creatio“ heißt Schöpfung und die sei exakt so verlaufen, wie es in der Bibel, im Buch Genesis steht.

Ehrlich gesagt: Ich habe dafür kein Verständnis. Denn die Bibel ist doch keine Sammlung naturwissenschaftlicher Erkenntnistheorien. Es geht ihr auch nicht um irgendeine Beweisführung. Die beiden Schöpfungsberichte sind Mythen. Der eine Mythos erzählt von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen. Der andere erzählt von Adam und Eva und der Verantwortung, die Gott ihnen gab: Seid fruchtbar und haushaltet mit der Erde! Natürlich wissen wir, dass die Welt nicht in sieben Tagen entstanden ist. Das Wort „jom“ für Tag kann nämlich auch Epoche oder modern „Zeitphase“ bedeuten. Nein, diese biblischen Texte erinnern uns vielmehr an ein Beziehungssystem, das wir manchmal aus dem Blick verlieren. Nämlich, dass wir Menschen nicht allein auf diesem Planeten leben und ihn nicht ausbeuten sollen und dürfen. Das müsste unseren Blick für die gegenwärtige Klimasituation schärfen! Diese Texte erinnern uns auch an die Möglichkeit, dass über allem ein Wesen steht, das wir Christen Gott nennen. Das bedeutet, dass der Mensch sich nicht allein fühlen, zugleich aber sich auch verantworten muss für das, was er tut. Die biblischen Texte sagen auch was zum Verhältnis von uns Menschen untereinander. Von der Würde, die wir haben und die wir achten sollen. Sie sagen etwas über Mann und Frau. Wir sind keine Götter, aber Gottes „Ebenbild“. Das in das Heute hinein zu übersetzen, scheint mir als Zugang zur Bibel sinnvoller zu sein.

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